242. Tag post OP – Update

Der letzte Eintrag liegt lange zurück, so dass man denken könnte die ganze Sache ist überwunden und abgeschlossen. Dem ist leider nicht so. In den letzten Wochen und Monaten habe ich immer wieder versucht sportlich aktiv zu werden, jedoch fühlte sich der betroffene Fuß einfach nicht gesund an. Größere Einschränkungen im normalen Alltag traten nicht mehr auf. Es zwickte lediglich mal hier und mal. Eine Sache beunruhigte mich allerdings. Dieses Gefühl. Man kann es gar nicht beschreiben und jemand, der es nicht selber schon einmal erlebt hat, wird es auch nicht nachvollziehen können. Dieses Gefühl, dass in dem einen Fuß etwas anders ist, als in dem Anderen. Um Klarheit zu schaffen war ich nun letzte Woche bei einem erfahrenen Sportmediziner und ließ ihn ganz neutral den Zustand der Sehne beurteilen. Vorweg, mein Gefühl täuschte mich nicht.

Ergebnis:

– gerissene Sehne ist mit 12 mm deutlich zu dick
– weiterhin Verklebungen
– Faserstruktur der Rissstelle nicht vollkommen rehabilitiert

Explizite Gründe gibt es dafür nicht. “Das kann schon mal vorkommen”, hieß es. Dafür, dass die Heilung anfangs sehr schnell und scheinbar unkompliziert von statten ging, ist die Diagnose ein deutlicher Rückschlag. Es wurden mir nun zwei mögliche Behandlungsansätze angeboten:

1. Eine Spritze in die Sehne, die Verklebungen löst und anschließend eine Stoßwellentherapie um den Faseraufbau anzuregen und zu beschleunigen. Mit dieser Methode wäre Sport in ca. zwei Monaten denkbar.

2. Auf die Selbstheilungskräfte des Körpers bauen und in drei Monaten ein weiteres Mal zur Untersuchung. Sport in frühestens 4-6 Monaten.

Auf Ratschlag des Arztes habe ich mich nun für die zweite Variante entschieden. Selbstheilung ist grundsätzlich immer vorzuziehen. Das verlängert die ganze Sache zwar nicht unerheblich, aber es besteht ja auch kein akuter Druck schnellstmöglich die Laufschuhe schnüren zu können. Der Alltag ist, wie erwähnt, kein Problem. Es besteht auch keine Gefahr, dass die Sehne im normalen Gebrauch erneut reißen könnte. Also werde ich in den sauren Apfel beißen und weiterhin Geduld aufbringen müssen.

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115. Tag post OP – Nur Geduld

Nun sind fast 4 Monate vergangen und der Achillessehnenriss schien überwunden und teilweise vergessen. So einfach komme ich wohl nicht davon. In den letzten Wochen hatte ich kaum noch Probleme im Alltag. Normales Gehen, Treppensteigen, Gleichgewicht, Vollbelastung über Stunden. Für meine Sehne ein Kinderspiel. Langsam aber sicher fing ich an, über leichtes Joggen nachzudenken. Zumindest mal kurz versuchen. Nur ein paar Meter. Auch herumliegende Bälle waren nun wieder Objekt der Begierde. Mal eben schnell ein Flachpass mit dem Innenrist – kein Problem.

Allerdings ist die operierte Sehne seit ein paar Tagen wieder merklich dicker. Außerdem zwickt und zieht es beim normalen Gehen ungewohnt häufig. Das nehme ich nun einfach mal als Warnung und versuche den Fuß wieder etwas zu entlasten bzw. die ganze Sache bewusster anzugehen. Grundsätzlich sind die neuerlichen Problemchen nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste. Der jetzige Zeitpunkt, knapp 4 Monate post OP, ist bekannt für genau diese kleinen “Rückschritte”. Jetzt ist die Zeit, in der sich Verklebungen von Sehne und Gewebe, mit einem ordentlichen Stechen (erinnert an den ersten Schmerz beim Riss), voneinander lösen und neues Gewebe gebildet wird. Das führt dazu, dass der Bereich rund um die beiden zusammengenähten Sehnenenden deutlich verdickt und oft sehr heiß ist.

Ich gehe davon aus, dass das sicherlich ein paar Wochen in Anspruch nehmen wird. Es bleibt dabei, ein halbes Jahr muss man mindestens insgesamt einplanen. Natürlich gibt es Fälle, in denen nach 8 Wochen wieder mit sportlicher Betätigung begonnen wird, aber das ist nicht die Regel.

Vor zwei Tagen bekam ich einen netten Brief, in dem ich dazu aufgefordert wurde den Vacoped zurück zum Hersteller zu senden. Den habe ich nämlich bis dato behalten, um im theoretischen Falle einer Re-Ruptur direkt reinschlüpfen zu können. Es ist wohl an der Zeit Abschied zu nehmen und den Stiefel wieder abzugeben. Es gibt schlimmeres… =)

61. Tag post OP – Die erste Autofahrt

Die erste Autofahrt nach fast neun Wochen war kurz, aber schön. Gas und Bremse bedienen funktionierte ohne Probleme und fühlte sich, nach kurzer Eingewöhnung, an wie immer. Ob das auch auf längeren Strecken so reibungslos über die Bühne geht, wird sich erst noch zeigen müssen. Da bin ich jedoch guter Dinge. Eine Sache gibt es allerdings, die problematisch enden könnte, bzw fatale Folgen hätte: eine plötzliche Vollbremsung. Dieser würde meine Achillessehne wohl noch nicht standhalten. Daher ist es ratsam besonders vorsichtig zu fahren, um möglicherweise aufkommenden Gefahren, von vorn rein aus dem Weg zu gehen. Aber das tun wir ja sowieso alle… 😉

Mein Gangbild verbessert sich nahezu täglich. So richtig rund sieht es zwar noch nicht aus, aber es war schon wesentlich holpriger. Das Humpeln ist übrigens reine Kopfsache. Die Sehne ist so flexibel, dass normales Abrollen eigentlich möglich wäre, jedoch wird dies vom Naturtrieb der menschlichen Vorsicht noch etwas blockiert. Einbeiniger Stand und Treppe-rauf gehören schon zu meinen Spezialdisziplinen. Treppe-runter hingegen ist eine andere Sache. Stufenübergreifender Tritt kommt nicht in Frage, aber daran arbeite ich. Hier helfen vor allem Kniebeugen und Storchengang mit hochgezogenen Knien, um der Sehne die finale Flexibilität zu geben.
Aus physiotherapeutischer Sicht bin ich auskuriert, so sagte man mir. Nach 6 Einheiten. Mal schauen, ob mein Arzt der gleichen Ansicht ist.

Es zwickt hier und da. Im Fußrücken, die Zehen, die Ferse, das Sprunggelenk. Manchmal zwickt und knackt es. Aber daran gewöhnt man sich und das wird wohl noch einige Zeit anhalten. Der Motor muss erstmal wieder ans Laufen kommen. Die abendlichen Schwellungen, bedingt durch Socken und Belastung, treten mittlerweile kaum noch auf. In der Regel sind die beiden Füße nicht mehr von aneinander zu unterscheiden. Außer anhand der Narbe selbstverständlich, die aber auch weiterhin einen guten Eindruck macht.

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51. Tag post OP – Die ersten Schritte auf zwei Beinen

Die Überraschung war groß, als mich mein Physiotherapeut gestern aufforderte von der Liege aufzustehen. Locker die Sehne massieren lassen war mein Plan für die erste Sitzung ohne Vacoped. Daraus wurde aber nichts.

Sofort sollte ich versuchen den Fuß voll zu belasten, indem ich mein eigenes Gewicht abwechselnd von rechts nach links verlagerte und schlussendlich einbeinig dort stand. Auf dem betroffenen Fuß versteht sich. Das funktionierte, nach anfänglichem Zögern, recht gut, so dass ich im Anschluss direkt eine Gehübung verordnet bekam. Mit Krücken. Mehr oder weniger. Linkes Bein und rechte Krücke nach vorne, rechtes Bein und linke Krücke nach vorne. Das Ganze erinnert entfernt an menschliches Gehen, schaut allerdings eher nach Storchengang mit Holzbein aus. Das Gewicht wird hierbei deutlich von den Füßen getragen. Die Krücken dienen eher dem Gleichgewicht, denn das ist im lädierten Bein sehr durcheinander.

Mit der Hausaufgabe diesen Gang zu perfektionieren und einzuüben war die Sitzung dann auch beendet. Heute Morgen ging es dann pünktlich raus zum ersten Training. Eine Kamera ließ ich mitlaufen, um einfach zu sehen, was ich besser machen kann. Das darauf dann direkt die ersten Schritte ohne Hilfsmittel aufgezeichnet wurden war Glückssache, aber ich fühlte mich gut, so dass ich es einfach versuchte.

Wackelige Angelegenheit und Abzüge in der B-Note wegen fehlendem Knieeinsatz, aber für die ersten Schritte durchaus vorzeigbar. Das größte Problem ist der erste Schritt. Den muss der Kopf zulassen. ABER: Wenn der Arzt und der Physiotherapeut Vollbelastung verordnen, dann hält die Sehne!
Ich geh dann mal weiter laufen….

49. Tag post OP – Neue Freiheit

Heute war es nun endlich so weit. Exakt 7 Wochen nach der Operation, davon 6 1/2 im Vacoped, durfte der Schuh endlich zurück in den Karton. Aber dazu später mehr.

Die vergangenen 14 Tage waren lang, doch erstmals hatte ich das Gefühl, einen wirklichen Fortschritt zu erkennen. Die Sicherheit kam in den Fuß zurück. Dadurch, dass ich die meiste Zeit auf der Couch verbrachte und dort ohne Vacoped lag, hatte ich viel Zeit, um den Fuß und die Sehne zu massieren, drücken, biegen und kreisen. Die Angst etwas falsch zu machen war irgendwann weg, so dass ich auch mal beherzter an der stahlharten Sehne zupackte und anfing diese zu dehnen. Natürlich muss man hier vorsichtig rangehen und auf die Signale des Körpers hören. Ein leichter Zug ist gut. Ein leichter Schmerz ist nicht gut. Langsames herantasten ist gefragt.

Die operierte Sehne ist nach der OP hart und unflexibel. Logischerweise ist damit kein runder Gang möglich, den wir aber natürlich schnellstmöglich anstreben. Hier helfen nur andauernde Massagen mit Daumen und Zeigefinger, sowie bedachte Dehnübungen. Die Massagen habe ich gleichzeitig mit der Narbenpflege verbunden. Ich habe gecremt was die Tube hergab und mache das auch weiterhin mehrmals am Tag. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass viele Narbencremes lediglich kosmetischen Zwecken dienen, deshalb benutze ich Arnika Salbe der Firma Kneipp. Diese Salbe macht die Narbe nicht nur glatt und hell, sondern löst zugleich Verklebungen zwischen Sehne und Haut im Inneren.

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Die Thrombosespritzen habe ich am Tag 45 POP selbständig abgesetzt, da ich genug in Bewegung war und ganz einfach keine mehr hatte. Sonderlich gestört hat mich die tägliche Spritze nicht mehr, doch nun bin ich ganz froh, dass der Spritzenalarm auf dem Handy nicht mehr ertönt.

Die Physiotherapie habe ich am gestrigen Tag, nach dreiwöchiger Pause, wieder aufgenommen. Nach 40 Minuten massieren, dehnen und Zehen wackeln, war der Termin auch schon beendet. Sicherlich werden noch einige Sitzungen vergehen, bis der Muskelaufbau der Wade in Angriff genommen wird. Diese sieht nämlich sehr mitgenommen aus und benötigt dringend ordentliches Krafttraining. Priorität hat im Moment aber selbstverständlich die Flexibilität der Sehne.

Nun aber zum heutigen Tag. In weiser Voraussicht nahm ich einen zweiten Schuh mit zum Chirurgen, da ich auf das Ende des Vacopeds spekuliert habe. Gott sei Dank kam es dann auch so. Vollbelastung mit Krücken lautet die Empfehlung. Die ersten Schritte waren trotz Krücken eher wackelig. An das Gefühl muss man sich ein paar Minuten gewöhnen. Momentan habe ich das Problem, dass ich entweder beim Auftreten ordentlich belaste, oder vernünftig abrolle. Beides zusammen gestaltet sich schwierig, da es dann doch ganz schön zieht. Ich konzentriere mich nun bei jedem Schritt auf das Abrollen. Erstmal wieder Gehen lernen und die Sehne mobil machen.

Grundsätzlich sollte man beim Umstieg von Vacoped auf Schuhe wissen, dass ein normaler, bequemer Sportschuh am Besten geeignet ist. Zwar versprechen massive Treter, die bis über den Knöchel gehen, am meisten Sicherheit und Stabilität, aber sie “gaukeln” dem Fuß etwas vor. Die Wirkung wäre darin ähnlich wie im Vacoped und das ist nicht Sinn der Sache. Der Fuß und die Sehne müssen jetzt selbstständig wieder anfangen in Bewegung zu kommen und Bewegung auszuhalten. Fersenerhöhungen, Bandagen, Knöchelschuhe usw. sind alles Hilfsmittel, die bei bestimmten Patienten sicherlich unabdingbar sind, aber grundsätzlich die Regeneration verlangsamen. Ich laufe daher nun in Nike Pegasus durch die Gegend, da dieser Schuh enorm leicht ist und das Gefühl für den eigenen Fuß hervorhebt und trotzdem Stabilität bietet.

Am Wichtigsten war heute aber das Gefühl auf zwei Beinen ordentlich stehen zu können. Grandios!

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Die nächste Zeit ist wieder äußerste Vorsicht geboten, da die Wochen 8-10, die sogenannten Rerupturwochen sind. Aus dem einfachen Grund, da die neu gewonnene Freiheit und die ersten Gehversuche ohne Krücken, oftmals mit stolpern, umknicken und hängenbleiben verbunden sind. Da hilft nur jeden Schritt vorsichtig zu setzen. We will see….

35. Tag post OP – 2. Winkelverstellung

Heute war es endlich soweit….

Nun ja, eigentlich ist nichts weiter geschehen, als das die Stellung des Vacopeds auf Stufe 1 (leichte Spitzfußstellung) verändert wurde. Trotzdem, wenigstens ist mal wieder etwas passiert. Die vergangenen zwei Wochen waren doch sehr ruhig und es tat sich, zumindest gefühlt, nicht viel. Endlich also wieder ein kleiner Schritt nach vorne.

Vacoped Stufe 1
Vacoped Stufe 1

Die Winkelveränderung habe ich, wie auch beim letzten Mal, nicht wahrgenommen. Meine Sehne scheint schneller zu heilen, als es der Schuh erlaubt. Mein Arzt ist zufrieden, ich dann auch.

Den Vacoped trage ich mittlerweile nur noch, wenn es sein muss bzw. nur noch, wenn ich nicht auf der Couch liege. Die restliche Zeit lasse ich den Fuß an der frischen Luft, halte die Zehen in Bewegung, massiere die Sehne, inspiziere die Narbe und die letzten verkrusteten Wundstellen und versuche (ganz ganz ganz) leichte Dehnübungen an der Sehne. Besonders beim eigenständigen Dehnen ist äußerste Vorsicht geboten. Dabei ziehe ich den Fuß ganz leicht nach oben, bis ich die Spannung spüre, entspanne wieder und beginne von vorne. Das hilft nicht nur der verhärteten Sehne, die ja langsam flexibel gemacht werden muss, sondern auch dem steifen Fußgelenk. Wer seinen Fuß über einen Zeitraum von 6 – 8 Wochen nur ruhig hält, stellt seinen Physiotherapeuten vor eine schier unlösbare Aufgabe. Die Sehne wird knüppelhart, das Gelenk steif und die Zehen taub.

Zusätzlich trainiere ich mehrmals täglich den Oberschenkel, um die hart antrainierte Muskulatur nicht vollständig zu verlieren. Eine Übung, die mir vom Physiotherapeuten empfohlen wurde, funktioniert so: Zwei Stofftüten / Jutebeutel an den Trägern zusammenknoten, beidseitig mit Gewichten befüllen ( z. B. zwei volle Wasserflaschen auf jeder Seite) und über den Oberschenkel legen. In aufrechter Sitzposition den Oberschenkel anheben und wieder absetzen. Ich mache davon 3-5 mal täglich 25 Wiederholungen. Kein Zeitaufwand, keine teures Equipment, volle Wirkung!

Nach nun 5 Wochen ist alles, was anfangs umständlich und unzumutbar erschien, Alltag geworden. Die tägliche Spritze, duschen im Sitzen, Schlafen mit Klotz am Bein, Treppen hoch und runter, wöchentlich Blutabnahme…wobei…die wöchentliche Blutabnahme wird vom Personal scheinbar auch nur noch mit halber Konzentration gemacht, sonst sähe mein Arm heute nicht aus, wie er aussieht. Aber ok, mein kleinstes Problem.

Armbeuge nach Blutabnahme
Armbeuge nach Blutabnahme

 

In genau einer Woche darf ich den Vacoped selber auf Stufe 0 stellen und wiederum eine Woche später endgültig ablegen.

Bis dahin…einfach mal schauen was passiert.

 

P. S.: Die Wunde heilt ordentlich. Inwiefern ich Narbenpflege, in Form von speziellen Narbencremes oder Ölmassagen betreiben werde, weiß ich noch nicht. Über die Möglichkeiten und die Notwendigkeit werde ich mich in den nächsten Tagen informieren.

Exakt 5 Wochen post OP
Exakt 5 Wochen post OP

 

21. Tag post OP – Winkelverstellung

Heute war der 2. Termin beim weiterbehandelnden Arzt. Die Behandlung an sich war kurz und schmerzlos, wie erwartet. Die Wunde hat in den letzten 2 Tage ein wenig genässt, ist laut Arzt aber vollkommen in Ordnung. Regelmäßiges desinfizieren und Pflaster wechseln ist nun nicht mehr nötig, dafür darf ich wieder Socken anziehen. Immerhin.

Leicht nässende Stelle am Fersenansatz
Leicht nässende Stelle am Fersenansatz

 

Um den Heilungsverlauf der Sehne zu beurteilen, wurde der Fuß vom Arzt gestreckt und damit die Sehne etwas auf Spannung gebracht. Zusätzlich tastete er die Rupturregion ab, um die Verdickung, der beiden zusammengenähten Sehnenenden zu kontrollieren. Alles Bestens. Der Winkel des Vacopeds wurde nun von 30° auf 15° verstellt. Eigentlich sollte sich das, durch ein leichtes Ziehen in der Sehne bemerkbar machen. Da ich meine Sehne, durch kleinere Zehenübungen auf der Couch, selber etwas gedehnt habe, spüre ich die Umstellung nicht. Jedenfalls nicht in der Sehne. Dafür aber umso mehr beim Krückengang. Abrollen ist nun wesentlich angenehmer.

Grundsätzlich ist mein Facharzt eher vorsichtig und möchte jegliche Risiken ausschließen. Über die unterschiedlichen Auffassungen des Arztes und des Physios habe ich ja schon berichtet. Der Physiotherapeut möchte den Fuß zeitnah mobilisieren, da Versteifungen hartnäckig sind und viel nachträgliche Arbeit mit sich bringen. Der Arzt hingegen, möchte die Sehne heilen lassen und erst mit Behandlungen außerhalb des Vacopeds beginnen, wenn dieser dauerhaft abgelegt wird. Ein Gespräch der Beiden hat nun ergeben, dass meine Physiotherapie, die eigentlich schon begonnen hat, unterbrochen und erst in ca. 3 Wochen wieder aufgenommen wird.

Ich persönlich kann damit gut leben, da ich auch der Meinung bin, dass die Sehne erst einmal heilen sollte. Ob ich nun im Nachhinein 2-3 Wochen länger brauche, um rund zu gehen, spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist, dass die Gefahr einer Reruptur, soweit minimiert wird, wie möglich.

Zur Überbrückung habe ich nun mehrere Übungen gezeigt bekommen, die die Oberschenkelmuskulatur aufrecht erhalten und die Sehne ganz leicht dehnen. Dazu aber in den nächsten Tagen etwas mehr…

Der Vacoped bereitet mir momentan kaum noch Probleme. Die Druckstellen sind fast abgeheilt und mit etwas Watte ist das Monster ganz bequem. Was mir allerdings überhaupt nicht gefällt, ist meine Wade. Der Umfang reduziert sich, gefühlt sekündlich. Ein dünnes, schwabbeliges Etwas.

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17. Tag post OP – Waschen, lüften und kleinere Wehwehchen

Mit dem Vacoped stand ich von Beginn an auf Kriegsfuß. Ja, natürlich ist es schön, dass die Bewegungsfreiheit eher gegeben ist, als mit eingegipstem Unterschenkel. Auch die Tatsache, dass ich den Fuß teilweise belasten darf, gefällt mir sehr.  Trotz allem gab es Tage und Nächte, in denen ich mir den Gips zurückgewünscht habe. Zumindest kurzzeitig.

Der Vacoped ist nun mal ein Massenprodukt und obwohl sich die Kügelchen im Innenteil an den Fuß anpassen, schützt das nicht vor gemeinen Druckstellen, Hautreizungen, Rötungen. Besonders spät abends, wenn der Fuß durch die tägliche Belastung ein wenig anschwillt (keine Sorgen, das ist völlig normal und wird voraussichtlich noch einige Zeit so weitergehen), ist der Vacoped manchmal sehr unangenehm.  Da ich in den ersten Tagen überaus vorsichtig war und nicht an den Klettverschlüssen spielen wollte, habe ich den Druck einfach ausgehalten. Leider führte das zu fiesen Hautreizungen am Spann, links vom großen Zeh und rechts vom kleinen Zeh.

Wattepads, die erste Maßnahme gegen Druckstelle
Wattepads, die erste Maßnahme gegen Druckstelle

Mittlerweile habe ich auch dieses Problem im Griff. Bestes Gegenmittel: Vacoped öffnen und den Fuß atmen lassen. Das mache ich mittlerweile so oft es nur irgendwie möglich ist. Sobald ich auf der Couch liege und weiß, dass das für mindestens 20 Minuten so bleiben wird,  schnalle ich das Ding einfach ab. Grandioses Gefühl. Vor allem wenn das Fenster geöffnet ist und ein leichter Windzug den geschundenen Spann kühlt.

Beste Liegeposition: Sicher und angenehm.
Beste Liegeposition: Sicher und angenehm.

Desweiteren behandle ich die geröteten Stellen, regelmäßig mit Linola Schutzbalsam und polstere den Vacoped großzügig mit Watte aus. Zudem ist sehr wichtig die Styroporkügelchen im Innenteil absolut sorgfältig zu verteilen. Dazu streiche ich alles glatt, ziehe sofort das Vakuum und fülle erst dann den inneren Frotteebezug.

Man muss ich zu helfen wissen...
Man muss ich zu helfen wissen…

Seitdem ich diese Dinge beachte, komme ich viel besser mit dem Vacoped zurecht und habe kaum noch Beschwerden.

Ansonsten war heute einmal mehr Wundkontrolle und zwar meine eigene Wundkontrolle. Die Fäden sind bekanntlich raus und das Pflaster durfte demnach ab, aber der Gedanke, dass eine recht frisch operierte Wunde durchgehend an einem Frotteebezug scheuert, veranlasste mich dazu, die Wundversorgung selber in die Hand zu nehmen. Alle 2 Tage wird der Vacoped komplett entfernt, das Bein und der Fuß gewaschen, die Wunde begutachtet und desinfiziert und mit einem neuen Pflaster versehen.

Vorsichtig abwaschen, ohne die Spitzfußstellung zu verlassen.
Vorsichtig abwaschen, ohne die Spitzfußstellung zu verlassen.
Wundheilung passt
Wundheilung passt
Der Wadenumpfang schrumpt sekündlich
Der Wadenumpfang schrumpt sekündlich

13. Tag post OP – Physiotherapie

Einen Tag nach dem ersten Besuch beim weiterbehandelnden Arzt und dem Ziehen der Fäden, ging es nun also zur ersten Physioeinheit. Der Physiotherapeut hat entscheidenden Anteil am weiteren Genesungsverlauf und seine Arbeit bestimmt, inwiefern dauerhafte Probleme mit der gerissenen Sehne auftreten. Deshalb ist es an dieser Stelle sehr wichtig, sorgfältig nach einer geeigneten Praxis zu suchen. Man sollte nicht unbedingt die Nächstgelegene oder die, mit den angenehmsten Behandlungszeiten auswählen, sondern die Praxis und den Therapeuten, mit der größten Erfahrung mit Achillessehnenrupturen.

Der Weg hin zur Praxis war suboptimal. Kellergebäude, Treppe runter. Muss das sein? Nun ja, was solls.

Mein Physiotherapeut, den ich nun 2x wöchentlich treffen werde, wollte heute direkt ans Gelenk und dem mittlerweile leicht steifem Fuß, etwas Leben einhauchen. Dieser Plan stand jedoch in krassem Gegensatz zu der gestern verordneten Oberschenkelmassage, ohne Ablegen des Vacopeds. Physiotherapeut und behandelnder Arzt widersprachen sich also komplett. Da fühlt man sich als Patient doch glatt bombensicher. Die Erläuterungen des Therapeuten klangen einleuchtend und nachvollziehbar. “Der Mechaniker kann den Motor deines Autos auch nur reparieren, wenn er die Haube öffnen darf und deine Mutter kann dir auch nur Abendessen kochen, wenn sie den Deckel vom Topf nehmen darf.” 

Nach kurzer Diskussion, einigten wir uns darauf den Vacoped geschlossen zu lassen und Rücksprache mit dem Facharzt zu halten. So können die Beiden gemeinsam, die Termine für die nächsten Wochen planen. Die anschließende Oberschenkelmassage entpuppte sich mehr als Lymphdrainage. Dies wird i. d. R. bei stillgelegten Extremitäten angewandt, um eventuelle Wassereinlagerungen und dadurch bedingte Schwellungen zu bekämpfen. Bei mir gibt es momentan allerdings keine Wassereinlagerungen, da ich täglich meine, bereits erwähnten, Übungen mache, um das operierte Bein in Bewegung zu halten.

Nach ca. 30 Minuten war der erste Termin vorüber. Weiter geht es in einer Woche und ab dann 2x wöchentlich. Hoffentlich gibt es bis dahin eine klare Einigung, über meine weitere Behandlung.

12. Tag post OP – Die Fäden sind gezogen

Da mein weiterbehandelnder Chirurg, bis zum heutigen Tag, Sommerurlaub hatte, konnte ich erst später, als normalerweise angedacht, vorstellig werden. Früh morgens um 07:45 Uhr vor der Tür stehen und darauf hoffen, dass die netten Damen an der Rezeption, einen terminlosen Fußkranken kurzfristig einschieben können.  Kein Problem, gerade einmal eine halbe Stunde Wartezeit und schon durfte ich ins Behandlungszimmer.

Vacoped aufgeschnürt, Bein raus gehoben und den kritischen Blick des Chirurgen abwarten. Die Wunde sah gut aus, ein leichtes Dehnen des Fußes war schmerztechnisch ertragbar, also durften die Fäden früher raus, als es im Arztbrief vom Krankenhaus vermerkt stand. Wie in den vorangegangenen Einträgen erwähnt, hatte ich bis hierhin kaum Schmerzen im Bereich der Sehne bzw. der Wunde. Das sollte sich jetzt ändern.

Die mit dem Auftrag Fäden-ziehen ausgestattete Arzthelferin ließ umgehend verlauten, dass die Fäden recht eng gezogen sind und es daher gleich leicht zwicken könnte. In weiser Voraussicht hatte ich am Morgen eine Ibuflam 400 eingeworfen – soll es doch zwicken – dachte ich mir. Von wegen, es fühlte sich an, als würde mir jemand ein Stück Stacheldraht aus der Wade reißen. Augen zu, an bessere Zeiten denken und durchhalten.

Erleichtert und nassgeschwitzt gab man mir nun noch ein paar Instruktionen für die kommende Zeit mit auf den Weg nach Hause:

  • Vacoped wird mich noch sechs Wochen begleiten
  • in einer Woche wird der Winkel des Schuhes das erste Mal angepasst
  • die erste Krankengymnastik am darauffolgenden Tag, soll lediglich zur Oberschenkelmassage genutzt werden. “Auf gar keinen Fall den Vacoped ablegen und mit dem Fußgelenk arbeiten.”

Nun gut, dazu später mehr.

Am Abend, ging es für mich, zum ersten Mal nach dem Malheur wieder unter Leute. Der erste Schritt zurück ins normale Leben. Von wegen, nach knapp zwei Stunden schwoll der Fuß, wie jeden Abend, kräftig an. Meine Zehen glühten, der Vacoped drückte. Also ab nach Hause, Fuß hochlegen, Vacoped lockern.

Trotzdem, die Fäden sind raus. Zwar ein kleiner und wirklich unbedeutender Fakt, aber irgendwie ein Schritt nach vorne.